Pfarrer, Päpste & Politiker: Kunstwerke von Peter Lenk am Bodensee | Teil 1

Die Kunstwerke des Bildhauers Peter Lenk sind Attraktionen am Bodensee, die jedes Jahr viele Besucher anziehen. Gerade auch weil nicht alle Leute Gefallen an seinen Werken fanden und finden. So sorgte die Enthüllung der einen oder anderen Skulptur in der Vergangenheit schon für viel Aufregung und Entrüstung.

Unmoralisch und anstößig seien die Plastiken, unästhetisch und skandalös die Darstellungen. Nicht alle Prominenten, die in Lenks Werken verewigt wurden, sind darüber erfreut. Lenk selbst aber will gar nicht provozieren und findet „Der Skandal bin nicht ich, ich bin nur der Bote des Skandals“.

Mir gefallen seine Skulpturen und Reliefs sehr und es lohnt sich, sie anzuschauen. Deshalb möchte ich die Kunstwerke von Peter Lenk am Bodensee heute vorstellen und eine kleine „Tour de Lenk“ machen von Konstanz über Gaienhofen bis nach Radolfzell. Im zweiten Teil der Tour geht es dann weiter nach Bodman-Ludwigshafen, Überlingen, Meersburg und Hagnau.

Skulpturen in Konstanz

Konstanz hat gleich drei Kunstwerke von Peter Lenk. Der Triumphbogen war 1991 sein erster öffentlicher Auftrag. Es folgte 1993 die Imperia, die bei Nacht und Nebel am Hafen aufgestellt wurde. Zunächst sorgte sie für Empörung, entwickelte sich aber bald zum Wahrzeichen der Stadt. Weniger bekannt ist die Karriereleiter. Sie steht nicht in der Altstadt, sondern rechtsrheinisch im Businesspark.  

Triumphbogen

Der Triumpfbogen auch Laubebrunnen oder Lenkbrunnen genannt, ist ein Ensemble aus Bogen, Brunnenbecken und Figuren. Er steht seit 1991 auf dem Mittelstreifen der Konstanzer Laube und seine 30 Figuren sollen, so der Künstler „den Autowahn aufs Korn nehmen“ (Peter Lenk, Skulpturen, S. 45). Zu sehen sind Autofahrer jeden Alters, Tierfiguren und Fabelwesen. Die dargestellten Päpste und Bischöfe beziehen auch die Konstanzer Stadtgeschichte ein. In einem der Brunnenbecken sowie am Rand sitzen Rentner in Badekleidung. In einem anderen Becken kniet eine schöne, nackte Frau, die von Erdferkeln begafft wird.

Standort: Am Technischen Rathaus, Unter Laube in Konstanz

Imperia

Seit 1993 steht die Imperia in der Konstanzer Hafeneinfahrt. Die 10 Meter hohe und 18 Tonnen schwere Skulptur aus Beton dreht sich dort auf dem Pegelturm in wenigen Minuten um ihre eigene Achse. Die leichtbekleidete und kurvenreiche Frau hat auf ihren Händen zwei Männchen sitzen, nackt und mit Narrenkappen auf dem Kopf. Sie stellen symbolisch Papst und König dar.

Literarische Vorlage für die Figur ist die Kurzgeschichte La belle Imperia des französischen Schriftstellers Honoré de Balzac. Sie erzählt von der schönen Kurtisane Imperia, die sich während des Konstanzer Konzils (1414-1418) in der Stadt aufgehalten und weltlichen wie geistlichen Männern den Kopf verdreht hat. Die historische Imperia war eine reiche und gebildete Kurtisane im Rom der Renaissancezeit und nach ihrem Tod wurde sie von vielen betrauert. Raffael soll der griechischen Dichterin Sappho, die auf seinem Gemälde Parnass im Vatikan zu sehen ist, die Gesichtszüge von Imperia verliehen haben. Imperias Aufenthalt in Konstanz entsprang allerdings nur der Fantasie von Balzac: Sie wurde erst einige Jahrzehnte nach dem Konzil geboren.

Kurtisanen und Prostituierte – Hübschlerinnen genannt – gab es jedoch sehr viele auf dem Konzil von Konstanz: Die zeitgenössischen Chroniken sprechen von 700 Prostituierten, die in der Stadt gewesen sein sollen.

Standort: Hafeneinfahrt Konstanz

Karriereleiter

Um das dritte Kunstwerk von Peter Lenk in Konstanz zu sehen, muss man die Altstadt Richtung Industriegebiet verlassen. Dort steht seit 1994 im Businesspark die 14,5 Meter hohe Betonskulptur Karriereleiter. Die Skulptur zeigt den Konkurrenzkampf von Angestellten auf dem Weg nach oben. Zu sehen sind drei Männer. Einer hat die Karriereleiter schon bis ganz oben erklommen und späht nun mit einer Taschenlampe nach unten, auf der Suche nach der nachkommenden Konkurrenz. Der zweite Mann wiederum tritt den Mann unter ihm auf den Kopf, um zu verhindern, dass dieser ihn überholt.

Standort: Businesspark Konstanz, Max-Stromeyer-Str. 116

Dix-Kurve in Gaienhofen

Von Konstanz aus geht es weiter auf die Bodenseehalbinsel Höri in die Gemeinde Gaienhofen. Hermann Hesse hatte sich hier 1907 ein Haus bauen lassen und während der NS-Zeit ließ sich auf der Höri eine Gruppe von bildenden Künstlern, die sogenannten „Höri-Maler“, nieder. Der bekannteste von ihnen war der Maler Otto Dix, der von 1936 bis zu seinem Tode in Gaienhofen-Hemmenhofen gelebt hat. In Gaienhofen kann man sich deshalb seit 1997 Peter Lenks Kunstwerk Dix-Kurve anschauen, das Bezug auf Dix‘ berühmtes Triptychon Die Großstadt nimmt. Das Gemälde von 1927/1928 zeigt das Nachtleben der Goldenen Zwanziger in einer Großstadt. Während der mittlere Teil die feine Gesellschaft beim Tanzen und Feiern zeigt, sind auf den beiden Flügeln des Triptychons Kriegsversehrte, Tote und Huren zu sehen. Zwei der von Dix auf dem rechten Flügel dargestellten Prostituierten, lässt Lenk an der Hauptstraße über die Dix-Kurve spazieren.

Standort: Hautpstraße, Gaienhofen

Kampf um Europa in Radolfzell

Radolfzell ist 11 km von Gaienhofen entfernt. Dort soll sich der ehemalige Oberbürgermeister vor einigen Jahren noch gefreut haben, dass Radolfzell die einzige Stadt am westlichen Bodensee ist, die keine Kunstwerke von Peter Lenk hat. Das hatte sich 2013 mit der Enthüllung des Wandreliefs Kampf um Europa (Untertitel: Retter-Zocker-Waffenschieber-Geldverleiher-Eurofieber) dann aber erledigt.

Peter Lenk greift für das Relief die Geschichte von Zeus und Europa aus der griechischen Mythologie auf. Europa war eine phönizische Prinzessin, die von Zeus in Gestalt eines Stiers entführt wurde. Zeus schwamm mit ihr über das Meer bis nach Kreta und der ihr unbekannte Kontinent wurde fortan Europa genannt. Auf dem 13 Meter hohen Relief kann man Europa sehen. Sie ist gefesselt und wird von verschiedenen kleineren Figuren, darunter Uli Hoeneß, Peer Steinbrück und Wolfgang Schäuble, belagert. Jede der Figuren will ein Stück von ihr haben. Zwischen Europas Füßen ist der Kopf von Angela Merkel zu sehen, die vier Panzer steuert. Rechts kann man den fliehenden Zeus in Stiergestalt sehen.

Standort: St. Johannisstraße, Radolfzell

Über Peter Lenk

Peter Lenk wurde 1947 in Nürnberg geboren und lebt und arbeitet seit vielen Jahren in Bodman am Bodensee. Werke von ihm stehen aber nicht nur hier, sondern auch im restlichen Baden-Württemberg (bspw. in Schopfheim, Hirsau, Herrenberg, Singen und Stockach) und in anderen Bundesländern (z. B. in Schwerin und Berlin (Friede sei mit Dir)). Derzeit arbeitet Peter Lenk an einem Denkmal für Stuttgart: S 21 – Das Denkmal. Die Chronik einer grotesken Entgleisung.

Kunstwerke von Peter Lenk am Bodensee, Teil 2

Teile diesen Beitrag, wenn er Dir gefallen hat.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.