Pfarrer, Päpste & Politiker: Kunstwerke von Peter Lenk am Bodensee | Teil 2

„Skandal-Bildhauer“ hat man Peter Lenk schon genannt, „Eulenspiegel vom Bodensee“ und „Enfant terrible der deutschen Bildhauerei“. Seine Objekte sind Touristenattraktionen am Bodensee und in Überlingen gab es 2018 unter dem Titel Peter Lenk. 40 Jahre Zoff und Zwinkern eine äußerst erfolgreiche Ausstellung über den Künstler.

Nachdem ich bereits seine Skulpturen und Reliefs in Konstanz, Gaienhofen und Radolfzell gezeigt habe, stelle ich im zweiten Teil des Beitrags über Peter Lenk am Bodensee die Kunstwerke in Bodman-Ludwigshafen, Überlingen, Meersburg und Hagnau vor.

Bodman-Ludwigshafen

Die Gemeinde Bodman-Ludwigshafen liegt am westlichen Ende des Überlinger Sees. Ungefähr 10 km sind es von Radolfzell nach Bodman, das im Mittelalter eine Königspfalz war, die dem Bodensee seinen Namen gegeben hat.

Bildhauergarten in Bodman

Peter Lenk lebt in Bodman und bei seinem Haus gibt es den Bildhauergarten. Zwischen Bäumen, Sträuchern und im Gras stehen, sitzen und liegen seine Skulpturen: Leda und der Schwan, die man auch in Horb am Neckar sehen kann, Papst und König, die in Konstanz auf den Händen der Imperia thronen, der Pendelschlag aus Herrenberg, Circe und viele weitere Werke.

Standort: Bilderhauergarten in Bodman. Führungen durch den Garten auf Anfrage.

Narrenschiff in Bodman

Erst seit 2018 hat Peter Lenks Heimatgemeinde ein eigenes Werk von ihm. An der Fassade des Seeum an der Hafenpromenade kann man das Relief Narrenschiff bestaunen. Benannt wurde das Objekt aus Kalksteinguss nach einem 1494 erschienen satirischen Werk von Sebastian Brant. Die Narren auf Peter Lenks Schiff stammen aus Politik und Wirtschaft und feiern eine ausgelassene Party. Lenk thematisiert hier einige Skandale der jüngeren Vergangenheit. Beispielsweise sind die (ehemaligen) Größen der deutschen Automobilbranche verewigt, die vorne am Bug des Schiffs stehen, während direkt daneben Beatrix von Storch mit dem Maschinengewehr in der Hand darauf achtet, dass keine Flüchtlinge an Bord kommen und die Feier stören.

Standort: Seeum, Seestr. 5 in Bodman


Ludwigs Erbe in Ludwigshafen

An der Fassade des Zollhaus in Ludwigshafen ist seit 2008 das Relief Ludwigs Erbe angebracht. Es nimmt Bezug auf die badische Geschichte und ist zugleich eine Gesellschaftssatire, die Politiker und Wirtschaftsgrößen aufs Korn nimmt. Das Triptychon zeigt im Mittelteil Großherzog Ludwig von Baden, nach dem Ludwigshafen benannt ist. Auf der rechten Seite sind die „Global Players“ zu sehen. Erkennen kann man hier: Hans Eichel, Gerhard Schröder, Angela Merkel, Edmund Stoiber und Guido Wersterwelle. Die Darstellung der nackten Politiker, die sich gegenseitig in den Schritt fassen, sorgte nach der Enthüllung des Reliefs bundesweit für Empörung.

Standort: Zollhaus, Hafenstr. 5 in Ludwigshafen

Überlingen

Wenn man von Bodmann-Ludwigshafen am nördlichen Seeufer entlang fährt, erreicht man bald Überlingen. In der ehemaligen freien Reichsstadt gibt es zwei Werke von Peter Lenk zu sehen.

Napoleondenkmal

Im Biergarten des Gasthaus Krone, das bereits seit dem Mittelalter existiert, steht seit 1997 das Napoleondenkmal. Die 3 Meter hohe Skulptur aus Stein zeigt Napoleon, der auf dem Schoss einer Frau liegt. Für die Darstellung der Frau hat die Konstanzer Schauspielerin Maria Falkenhagen Modell gestanden.

Standort: Gasthaus Krone, Münsterstr. 10 in Überlingen

Bodenseereiter

1826 verfasste der Dichter Gustav Schwab die Ballade Der Reiter und der Bodensee. In der Ballade reitet ein Mann im tiefsten Winter unabsichtlich über den Bodensee. Als er sein Ziel erreicht und erkennt, dass er soeben den zugefrorenen See überquert hat, fällt er vor Schreck tot vom Pferd. Das Gedicht geht auf eine wahre Begebenheit zurück: Im 16. Jahrhundert hatte tatsächlich ein Reiter den See im Winter überquert und sich, da das Eis bereits zu tauen begann, in Überlingen gerade noch ans Ufer gerettet. Anders als in Schwabs Dichtung überlebte er jedoch.

In der Nähe des Ortes, an dem der Reiter wieder festen Grund betreten hat, steht seit 1999 der Bodenseereiter. In einem Brunnenbecken kann man die Skulpturen von Nixen verschiedenen Alters sowie die von zwei Überlinger Bankdirektoren sehen. Zwei der Nixen tragen auf ihren Fischschwänzen den Bodenseereiter mit seinem Pferd. Der Reiter selbst ist der in Überlingen lebende Schriftsteller Martin Walser, der überhaupt nicht begeistert war, dass Lenk ihn hier satirisch dargestellt hat.

Standort: Überlingen Landungsplatz/Hafenpromenade

Magische Säule in Meersburg

Im 15 km von Überlingen entfernten Meersburg wurde 2007 die Magische Säule am Stadthafen aufgestellt. Die 13 Meter hohe Plastik besteht aus Metall, die angebrachten Figuren sind aus Beton gegossen. Die dargestellten Figuren stammen aus der Meersburger Stadtgeschichte. Es sind zu sehen: der in Meersburg verstorbene Arzt Franz Anton Mesmer (1734-1815), Erfinder des Animalischen Magnetismus (Mesmerismus) sowie der Geistliche, Exorzist und Wunderheiler Johann Jospeh Gaßner (1727-1779), der 1774 in Meersburg etliche Wunderheilungen vollbracht haben soll.

Außerdem ist an der Säule die Edelfrau Wendelgard von Halten verewigt, die – so erzählt es die Sage – mit einem Schweinerüssel gestraft war und deshalb gemieden wurde. Sie versprach den Meersburgern ihr Weingut, unter der Voraussetzung, dass regelmäßig einer der Stadtherren mit ihr speisen und ausfahren würde. Die Meersburger überlegten wohl zu lange und Wendelgard unterbreitete ihren Vorschlag auch den Konstanzer Stadtherren. Diese gingen darauf ein und bekamen letztendlich das Weingut, das heute noch der Spitalstiftung Konstanz gehört.

Darüber hinaus zeigt die Magische Säule Freiherr Joseph von Laßberg (1770-1855), der die Burg Meersburg kaufte und sie vor dem Verfall rettete. Ganz oben auf der Installation ist in Form einer Möwe die Schriftstellerin Annette von Droste-Hülshoff (1797-1848) dargestellt, die in den Jahren vor ihrem Tod auf der Meersburg gelebt hat.

Standort: Stadthafen in Meersburg

Dorfheiliger in Hagnau

Letzte Station der „Tour de Lenk“ ist der 5 km von Meersburg entfernte Weinbauort Hagnau. Seit 2014 steht dort auf dem Burgunderhof die Skulptur Dorfheiliger, die von den Besitzern des Hofs in Auftrag gegeben wurde. Sie zeigt den Pfarrer Heinrich Hansjakob (1837-1916), der in Hagnau etliche Jahre als Pfarrer tätig gewesen ist. Hansjakob war außerdem Schriftsteller und hat den Winzerverein Hagnau als erste Winzergenossenschaft in Baden gegründet. Lenk thematisiert an der Skulptur auch den etwas unkeuschen Lebenswandel des Geistlichen, der ihm mehrere uneheliche Kinder eingebrachte hat.

Standort: Hotel Burgunderhof, Am Sonnenbühl 70 in Hagnau

Zum Weiterlesen

Über Peter Lenk
Kunstwerke von Peter Lenk am Bodensee, Teil 1
Website des Bildhauers

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