Die Blumeninsel Mainau gehört zu den meistbesuchten Attraktionen am Bodensee. Es gibt kaum Reisegruppen, die an den Bodensee kommen und nicht Station auf der Mainau machen. Die Insel hat außerdem eine interessante Geschichte, die bis ins Mittelalter zurückgeht. In meinem Artikel geht es um die Geschichte der Mainau und natürlich auch darum, was Erwachsene und Kinder hier heute alles sehen und erleben können.

 

Der Deutsche Orden

Die erste erhaltene urkundliche Erwähnung der Mainau stammt aus der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts. Damals gehörte die Insel zum Kloster Reichenau. Um 1265 ließen sich die ersten Ritter des Deutschen Ordens, der während des dritten Kreuzzugs gegründet worden ist, am Bodensee nieder. Zunächst hatten sie ihren Sitz auf Burg Sandegg im Thurgau, ab 1271 dann auf der Mainau. Im Laufe der Zeit kamen weitere Ländereien am Südufer des Überlinger Sees in den Besitz des Ordens und die Kommende (Niederlassung) Mainau wurde zu einer der größten und mächtigsten in der Ballei (Verwaltungsbezirk) Elsaß-Burgund.

Im Dreißigjährigen Krieg eroberten 1647 schwedische Truppen die Insel. Sie blieben dort bis 1649 und sollen die Insel verwüstet und bei ihrem Abzug völlig ausgeplündert haben. Nur die bronzene Kreuzigungsgruppe, das Schwedenkreuz, das ihr heute noch sehen könnt, wenn ihr von der Landseite auf die Mainau kommt, mussten sie zurücklassen. Warum? Davon erzählt eine Sage:

Geschichte der Mainau: Das Schwedenkreuz
Schwedenkreuz

Nachdem die Schweden das Eiland Mainau eingenommen hatten, luden sie das Kruzifix und die beiden Schächer von Erz, welche nächst der Insel im See standen, auf einen zweispännigen Wagen und fuhren damit fort. Am Berge von Lützelstetten [Litzelstetten] hielten die Pferde, und der Wagen war nicht mehr von der Stelle zu bringen, obgleich die Schweden zuletzt gar zwölf Pferde daran spannten. Sie ließen ihn nun samt seiner Ladung stehen und spannten nur die Pferde davon aus, worauf die Bauern ihn mit zwei Ackergäulen ganz leicht zurückführten und das Kruzifix nebst den Schächern wieder am vorigen Ort aufstellten.“⠀⠀

Wendelin Duda, Die Sagen der Stadt Konstanz und der Inseln Reichenau und Mainau, Freiburg 2005.⠀⠀⠀⠀

Die Mainau im Besitz des Großherzogtums Baden und des schwedischen Königshauses

Durch die Säkularisierung fiel die Mainau 1806 an das Großherzogtum Baden und erlebte in den nächsten Jahrzehnten etliche Besitzerwechsel. 1853 kaufte schließlich Großherzog Friedrich I. von Baden die Insel und richtete dort seine Sommerresidenz ein. Außerdem begann er die Insel mit seltenen und exotischen Bäumen und Pflanzen zu bepflanzen und ließ die erste Brücke zum Festland bauen. Nach seinem Tod vermachte sein Sohn die Insel seiner Schwester Viktoria, der Königin von Schweden.

Viktorias Sohn übertrug die Verwaltung der Insel 1932 seinem Sohn Lennart Bernadotte, der durch die Heirat mit einer Bürgerlichen sämtliche Titel verloren hatte. Lennart Bernadotte verließ mit seiner Familie Schweden und ließ sich auf der Mainau nieder. Er begann bald damit die verwilderten Parkanlagen der Insel wieder in Stand zu setzen und auszubauen. Auch für Besucher wurde die Insel geöffnet.

Geschichte der Mainau im 2. Weltkrieg

Lennart Bernadotte und seine Familie verließen Deutschland vor Kriegsbeginn. Die Kriegsjahre verbrachte die Familie in Schweden. 1943 verpachtete Lennart Bernadotte die Mainau an die Organisation Todt, die bautechnische Organisation des Rüstungsministeriums. Geplant war, hier ein Erholungsheim für Rüstungsindustrielle sowie für Gäste und Mitarbeiter von Albert Speer zu errichten. Letztendlich wurde aus dem Erholungsheim jedoch nichts, denn 1944 wurde die Insel vom Auswärtigen Amt französischen Kollaborateuren unter der Führung von Jaques Doriot zugewiesen. Doriot proklamierte von der Mainau aus die Befreiung Frankreichs von „der gaullistisch-kommunistischen Herrschaft“. Im Februar 1945 kam er ums Leben, als sein Auto von Tieffliegern beschossen wurde.

Die Mainau unter französischer Besatzung

Nach Doriots Tod flohen seine Anhänger und kurz vor Kriegsende richtete man auf der Mainau ein Reservelazarett ein. Am 26.04.1945 wurde Konstanz kampflos von französischen Truppen besetzt und im Mai requirierten die Franzosen die Inseln Mainau und Reichenau für die Unterbringung von französischen KZ-Häftlingen aus Dachau. 33 von ihnen starben auf der Mainau, die anderen wurde im September 1945 nach Frankreich zurückgebracht und das Lazarett aufgelöst. Lennart Bernadotte kehrte 1946 auf die Mainau zurück und die Insel wurde bereits im selben Jahr wieder für Besucher geöffnet.

Die Blumeninsel heute

Nach den Inseln Reichenau und Lindau ist die Mainau mit ungefähr 45 Hektar Fläche die drittgrößte Insel im Bodensee und gehört geographisch zu Konstanz. Seit 1974 ist sie im Besitz der Lennart-Bernadotte-Stiftung.

Auf der Mainau könnt ihr das ganze Jahr viel sehen und erleben, wobei es im Frühjahr und Sommer häufig sehr voll ist. Hier empfehle ich einen Besuch in den frühen Morgenstunden oder am Abend. Im Winter gibt es zwar keine Blütenpracht, aber ihr könnt schöne Spaziergänge machen und dabei den Park und die Aussicht genießen. Was mir auf der Mainau am besten gefällt, erfahrt ihr jetzt.

Schlosskirche St. Marien und Schloss

Die Schlosskirche St. Marien und das Schloss ließ sich der Deutsche Orden in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts von Baumeister Johann Caspar Bagnato erbauen. Die alte Burg und die alte Schlosskapelle, die noch aus dem Mittelalter stammten, wurden dafür abgerissen. Die Kirche hat eine tolle barocke Innenausstattung und kann für Hochzeiten gemietet werden. Im Schloss lebt ein Teil der gräflichen Familie und manche Räume sind für Konzerte oder Ausstellungen geöffnet. Außerdem befindet sich hier das Schlosscafé.

Türme

Zwei Türme, die noch aus der Zeit des Deutschen Ordens stammen und von der langen Geschichte der Mainau zeugen, könnt ihr euch anschauen: Den Schwedenturm und den Gärtnerturm.

Der Schwedenturm wurde im 16. Jahrhundert vermutlich als Wachturm erbaut und erhielt seinen Namen wegen der schwedischen Besatzung im Dreißigjährigen Krieg. Er kann nur von außen besichtigt werden. Der Gärtnerturm steht direkt gegenüber des Schlosses und der untere Teil stammt noch von der mittelalterlichen Festungsanlage. Der Aufbau und das Dach sind hingegen erst im 19. Jahrhundert entstanden. Im Turm ist heute ein Souvenirshop untergebracht und im Obergeschoss könnt ihr wechselnde Ausstellungen sehen.⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀

Rosengarten

Der italienische Rosengarten wurde bereits von Großherzog Friedrich angelegt und ist bepflanzt mit ca. 1000 verschiedenen Beet- und Kletterrosen. Zwischen Marmorskulpturen und Brunnen könnt ihr spazieren gehen, an den Rosen riechen oder euch auf eines der zahlreichen Bänkchen setzen. Nicht weit vom Rosengarten entfernt befindet sich die italienische Blumen-Wassertreppe, die mit Blumen und Zypressen bepflanzt ist.

Arboretum

Auch das Arboretum in der Mitte der Insel wurde von Großherzog Friedrich begründet, der hier viele seltene und exotische Bäume pflanzen ließ. Ihr könnt mächtige eineinhalb Jahrhunderte alte Mammutbäume, Himalayazedern, Platanen und vielen andere Bäume entdecken.

Aussicht

Von vielen Stellen auf der Insel habt ihr eine wundervolle Aussicht auf den Bodensee, Bänkchen laden zum Verweilen ein und ein Fußweg führt am Ufer entlang.

Mainau für Kinder

Für Kinder ist die Mainau ein wahres Paradies und Kinder bis 12 Jahren dürfen umsonst auf die Insel. Der Spielplatz auf der Mainau ist 1100 qm groß und bietet für Kinder jeden Alters was. So gibt es z. B. die Wasserwelt, die einem Pfahlbautendorf nachempfunden ist. Die einzelnen Häuser lassen sich über Hängebrücken, Stege oder über das Wasser mit Flössen erreichen. Außerdem gibt es Bereiche auf dem Spielplatz, wo Kinder experimentieren und forschen können.

Öffnungszeiten und Eintrittspreise

Mainau
Tel: +49(0)7531/3030
info@mainau.de

Öffnungszeiten:
365 Tage im Jahr von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang.
Wegen Corona gelten derzeit folgende Öffnungszeiten: täglich 7.00 bis 21.00.

Eintrittspreise:
Einzeleintritt Erwachsene Sommer: 22 €
Einzeleintritt Erwachsene Winter: 10,50 €
Jahreskarte: 56 €
Kinder bis 12 Jahre: frei
Zur Zeit können die Tickets ausschließlich online erworben werden.

Zeittafel Mainau

  • 1241: Erste erhaltene urkundliche Erwähnung der Mainau
  • 1271: Die Insel geht in den Besitz des Deutschen Ordens über
  • 1647-1649: Die Insel ist Ende des Dreißigjährigen Kriegs von schwedischen Truppen besetzt
  • 1739: Fertigstellung der Schlosskirche St. Marien
  • 1746: Fertigstellung des neuen Schlosses
  • 1806: Die Mainau gelangt in den Besitz des Großherzogtums Baden
  • Ab 1853: Großherzog Friedrich I. von Baden nutzt die Mainau als Sommerresidenz
  • Ab 1923: Die Insel gehört dem schwedischen Königshaus
  • Ab 1932: Lennart Bernadotte verwaltet die Mainau
  • 1943: Verpachtung der Insel an die Organisation Todt
  • 1945: Requirierung der Mainau durch die französische Besatzung
  • 1946: Lennart Bernadotte und seine Familie kehren auf die Mainau zurück
  • 1951 Lennart Bernadotte erhält von seiner Tante den luxemburgischen Titel eines Grafen von Wisborg.
  • 1974: Gründung der Lennart-Bernadotte-Stiftung

Zum Weiterlesen

Amelie-Claire von Platen: Die ehemalige Deutschordenskirche St. Marien auf der Insel Mainau. Zur Ikonographie der Innenausstattung, in: Quellen und Studien zur Geschichte des Deutschen Ordens: Würzburg-Mainau-Rixheim. Kirche und Schloss des Deutschen Ordens, Weimar 2012.

Arnuld Moser: Die andere Mainau 1945. Paradies für befreite KZ-Häftlinge, Konstanz 2020 (erweiterte Auflage).

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