BallinStadt: Das Auswanderermuseum in Hamburg

Vor zwei Wochen war ich im wunderschönen Hamburg und habe mir dort das Auswanderermuseum BallinStadt angeschaut. Seit 2007 gibt es das Museum auf der Elbinsel Veddel. Erbaut wurde es dort, wo früher die Auswandererhallen standen, die für viele Menschen die letzte Station in Europa waren, bevor sie ihre Reise – meist nach Amerika – antraten. Das Museum zeigt die Geschichte der Auswanderung vom Beginn des 16. Jahrhunderts bis in die Gegenwart.

Auswanderung im 19. Jahrhundert

Zwischen 1789 und 1914 verließen 50 bis 60 Millionen Menschen Europa. Die schnell wachsende europäische Bevölkerung bedrohte die Existenz vieler und Menschen aus allen Teilen Europas verließen ihre Heimat und suchten ihr Glück und ein besseres Leben oftmals in den USA oder in Südamerika.

Hamburg als Tor zur Welt

Bis ins späte 19. Jahrhundert war Hamburg, anders als Rotterdam, Antwerpen oder Bremen, keiner der großen Auswandererhäfen in Europa. Im Gegenteil: Noch Mitte des 19. Jahrhunderts versuchte Hamburg Auswanderer von der Stadt fernzuhalten. Doch das änderte sich in den folgenden Jahrzehnten und 1891 waren es bereits 150.000 Emigranten, die Europa über Hamburg verließen. Viele davon kamen aus Osteuropa, viele waren Juden, die vor Verfolgung und Pogromen flohen. Um die Beförderung der Emigranten konkurrierten verschiedene Reedereien. Eine davon war die Hamburg-Amerikanische Packetfahrt-Actien-Gesellschaft (HAPAG).

Die Auswandererhallen

Durch die steigende Zahl der Emigranten, die nach Hamburg kamen, benötigte die Stadt bald mehr Platz, um die Menschen vor ihrer Abreise nach Amerika unterbringen zu können. Albert Ballin, seit 1899 Generaldirektor der HAPAG, konnte bis 1901 auf der Veddel die Auswandererhallen erbauen. Die Lage dort war günstig, da das Gelände an der südlichen Stadtgrenze lag und Züge die Menschen direkt bis zu den Auswandererhallen bringen konnten.

Zunächst gab es in der Anlage, die aus 15 Gebäuden bestand, Platz für 1200 Menschen. Neben den Schlaf- und Wohnpavillons hatte es einen Speisesaal, eine Kirche, einen Musikpavillon, ein Verwaltungsgebäude und ein Lazarett. Bereits 3 Jahre später wurden die Auswandererhallen erheblich erweitert. Die Anlage hatten einen guten Ruf, was Sauberkeit und Versorgung anbelangte. So gab es hier z. B. auch koscheres Essen für die vielen jüdischen Emigranten. Insgesamt war jedoch nur ein Teil der Auswanderer auf der Veddel untergebracht. Viele Menschen wohnten bis zur Abreise auch in Hotels, in Gaststätten oder bei Bekannten.

BallinStadt: Das Auswanderermuseum Hamburg

Für das Museum wurden drei Gebäude der Auswandererhallen rekonstruiert, die die Ausstellung beherbergen. Hier wird nicht nur die Geschichte der Auswandererhallen thematisiert, sondern Migrationsgeschichte vom Beginn des 16. Jahrhunderts bis heute beleuchtet.

BallinStadt: Haus 1

Haus 1 zeigt, wie die Auswandererhallen oder das „größte Gasthaus der Welt“, wie die Reederei HAPAG es nannte, zu Beginn des 20. Jahrhunderts aussahen. Unterkünfte, Küchen, Speisesaal und Ausstattung der Auswandererhallen sind auf Fotos dokumentiert. Diese werden teilweise durch Exponate ergänzt. Informationen bekommt man auch über die Unterbringungskosten, den Speiseplan und die strengen Quarantäne- und Hygienevorschriften, die aus Angst vor Krankheiten und Seuchen sehr penibel befolgt wurden. Auch auf die Geschichte und das Leben von Albert Ballin (1857-1918), auf dessen Initiative die Auswandererhallen erbaut wurden, wird hier eingegangen.

BallinStadt: Haus 2

In Haus 2 befindet sich die große Auswandererausstellung, die die Geschichte der Migration in vier Epochen zeigt: 16.-19. Jahrhundert, 1789-1914, 1914-1945 und 1945 bis heute. Die Ausstellung beleuchtet verschiedene Stationen der Auswanderung. Sie zeigt die Gründe aus denen Menschen damals und heute auswanderten und auswandern: Manchmal waren es Abenteuerlust oder die Sehnsucht nach der Ferne. Oft aber zwangen und zwingen ganz andere Gründe die Menschen zur Auswanderung: Armut, Krieg, Religion oder der Wunsch nach besseren Bildungschancen und einem besseren Leben für sich und die Familie.

Ein Teil der Ausstellung zeigt die Schiffsreise unter oft unwirtlichen Bedingungen. Nur wenige Menschen konnten sich eine Überfahrt in der 1. oder 2 Klasse leisten. Die meisten reisten auf dunklem und engem Raum, unter schlechten hygienischen Bedingungen. Erst ab Ende des 19. Jahrhunderts besserten sich die Verhältnisse auf den Schiffen etwas.

Dargestellt wird auch die Ankunft in New York bzw. auf Ellis Island, wo die Einwanderer zunächst einen erneuten medizinischen Check bestehen und Fragen beantworten mussten. Erst wenn sie diese Tests bestanden hatten, durften sie Amerika betreten. Manche mussten zunächst noch eine gewisse Zeit in Quarantäne verbringen und ungefähr 2 % der Menschen wurden nach Europa zurückgeschickt.

Aber nicht nur die Emigration in die USA im 19. und frühen 20. Jahrhundert sind Teil der Ausstellung. Eingebunden sind auch Ein- und Auswanderungen nach dem zweiten Weltkrieg und bis in die heutige Zeit. Auch Auswanderungen nach Südamerika und Australien sind ein Thema. Im Juli 2019 ergänzte das Museum die Dauerausstellung zudem um den Teil „German Heimat. Wie deutsch sind die USA?“, der Porträts von Menschen mit deutschen Vorfahren zeigt.

BallinStadt: Haus 3

Haus 3 zeigt ausgewählte Biographien von Auswanderern. Warum wanderten sie aus? Wie erging es ihnen bei der Ankunft in der neuen Heimat? Wie verlief ihr weiteres Leben? Kehrten sie in ihr Heimatland zurück?

In Haus 3 sind auch die wechselnden Sonderausstellungen, das Restaurant und der Museumsshop untergebracht. Und man kann hier online Ahnenforschung betreiben. In Hamburg sind die Passagierlisten der Auswandererschiffe zwischen 1850 und 1934 vollständig erhalten geblieben. Diese Listen liegen inzwischen digitalisiert vor und sind auf Ancestry, der größten Onlineplattform für Ahnenforschung, verfügbar. Im Museum kann man kostenlos in der Datenbank recherchieren.

Das Auswanderermuseum in Hamburg für Kinder

Für Kinder ist hier einiges geboten: Die Ratte „Jette“ führt die 5 bis 10 Jährigen durch die Ausstellung. Über 12 interaktive Stationen können die Kinder Jette bei ihrer Auswanderung begleiten und erfahren interessante Sachen über die Gründe für Auswanderung, über die Reise, die Ankunft und das Leben in der neuen Heimat. Für Kinder zwischen 9 und 14 Jahren gibt es das interaktive Spiel „SIMMIGRANT“, in dem man einen virtuellen Auswanderercharakter auf den verschiedenen Stationen der Auswanderung spielen kann. Zusätzlich gibt es noch weitere Angebote für Schulklassen.

Wie ich es finde

Mir hat das Auswanderermuseum in Hamburg sehr gut gefallen. Durch die Räumlichkeiten, durch Fotos und Rekonstruktionen wird das Auswandern erlebbar gemacht, und man kann sich gut vorstellen, wie die Auswandererhallen Anfang des 20. Jahrhunderts ausgesehen haben. Besonders schön fand ich, dass die Ausstellung nicht nur Hamburg und die Auswandererhallen thematisiert, sondern Migration und ihre Gründe zu verschiedenen Zeiten beleuchtet und auch aktuelle Migrationsbewegungen eingebunden sind. So wird klar, dass Migration immer ein Teil des menschlichen Lebens war und ist. Die Fülle an Informationen ist gewaltig: Es gibt sehr viel zu lesen, zu hören und anzuschauen. An manchen Stellen fühlte ich mich hier etwas erschlagen, zumal die verschiedenen Epochen zwar farblich gekennzeichnet aber räumlich nicht abgegrenzt sind. Insgesamt tut dies dem guten Gesamteindruck aber keinen Abbruch, sondern macht das Museum für einen weiteren Besuch interessant.

Öffnungszeiten und Eintrittspreise

BallinStadt Auswanderermuseum Hamburg
Veddeler Bogen 2
20539 Hamburg

Tel.: +49 (0)40 319 79 16-0
 willkommen@ballinstadt.de

Öffnungszeiten:
März bis Oktober: täglich von 10.00 bis 18.00
November bis Februar: täglich von 10.00 bis 16.30

Eintrittspreise:
13 € (ermäßigt: 11 €, Kinder: 7 €)

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