Einer der ersten Ausflüge, die wir letztes Jahr im Frühsommer gemacht haben, führte uns nach Tettnang. Tettnang liegt im Hinterland des Bodensees, nordöstlich von Friedrichshafen und südlich von Ravensburg. Die Stadt hat ca. 19.500 Einwohner und ist von der Fläche die größte Stadt im Bodenseekreis. Tettnang hat eine wunderschöne Altstadt, zwei sehenswerte Schlösser und noch einiges mehr zu bieten. In diesem Beitrag möchte ich ein wenig von der Geschichte Tettnangs erzählen und mit euch einen kleinen Rundgang durch die Stadt machen. 

Die Grafen von Montfort

Im Jahre 1297 gründeten die Grafen von Montfort die Stadt Tettnang. Hugo I., der erste Graf von Montfort, stammte aus dem Geschlecht der Pfalzgrafen von Tübingen und hatte 1182 Grundbesitz bei Bregenz geerbt. Er gründete Feldkirch, heute die zweitgrößte Stadt in Vorarlberg und baute dort eine Burg. Die Grafen von Montfort hatten neben Vorarlberg auch Besitz im Allgäu und am Bodensee. Etliche Stadtgründungen gehen auf sie zurück. Neben Tettnang und Feldkirch auch Bludenz, Immenstadt im Allgäu und Langenargen. Die Grafen von Montfort bauten viele Burgen, Schlösser und Klöster in der Region und förderten vielfach Kunst und Wissenschaft. Manche Montforts waren auch selbst künstlerisch tätig, wie beispielsweise Hugo XII. (1357-1423), der neben seinen politischen Tätigkeiten auch Gedichte verfasste. 

Gründung von Tettnang

Die Siedlung Tettnang wurde 882 als Tetinanc erstmals urkundlich erwähnt und gehörte zu dieser Zeit zum Kloster St. Gallen. Der Name Tettowang, wie die Siedlung später genannt wurde, bedeutet „Feldstück des Tetto“. In der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts wurde in Tettnang eine Burg errichtet und gelangte 1182 in den Besitz der Grafen von Montfort. Durch Erbteilung entstand ein knappes Jahrhundert später die Linie Montfort-Tettnang, deren territorialer Mittelpunkt Tettnang war. Hugo III. (vor 1270-1309), der erste Graf der Linie Montfort-Tettnang, gründetet die neue Marktsiedlung Tettnang, die 1297 das Stadtrecht bekam. 

Blütezeit von Tettnang und Niedergang der Grafen von Montfort

Im ersten Drittel des 14. Jahrhunderts wurde Tettnang, das damals noch keine Stadtbefestigung hatte, zerstört, musste wieder aufgebaut werden und erhielt nun auch eine Stadtbefestigung, die heute noch in Teilen erhalten ist. In den folgenden Jahrhunderten blühte die Stadt auf, Handel und Gewerbe florierten. Die Grafen von Montfort lebten jedoch seit dem 16. Jahrhundert weit über ihre Verhältnisse. Während des 30-jährigen Kriegs wütete die Pest in der Stadt und tötete große Teile der Bevölkerung. Auch die Tettnanger Burg und große Teile der Stadt wurden 1633 durch einen Brand zerstört. Die Grafen häuften immer mehr Schulden an. Trotzdem bauten sie an der Stelle der zerstörten Burg das prachtvolle Neue Schloss. Hochverschuldet musste Graf Franz Xaver (1722-1780) 1780 sein Land an Österreich abtreten. Sein Bruder Anton IV. (1723-1787) war der letzte Graf von Montfort. Er verstarb kinderlos in Tettnang.

Tettnang: Hopfensau
Tettnanger Hopfensau

Tettnang nach den Montforts

Die österreichische Herrschaft über Tettnang währte nicht lange: Durch den Frieden von Pressburg fiel die Stadt 1805 an Bayern. Nur fünf Jahre später kam sie dann in württembergischen Besitz. In der Folgezeit verlor Tettnang seine regionale wirtschaftliche Vormachtstellung an Friedrichshafen. Ab 1844 gewann jedoch der heute noch wichtige Hopfenanbau in Tettnang immer mehr an Bedeutung und wurde durch den Anschluss an das Eisenbahnnetz begünstigt. 

Stadtrundgang

Bei einem Spaziergang durch die Stadt könnt ihr viele pittoreske Häuser, prächtige Gebäude und schöne Gaststätten entdecken. Und es ist überall zu sehen, dass die Geschichte von Tettnang untrennbar mit der Geschichte der Grafen von Montfort verbunden ist.

Das Alte Schloss

Tettnang: Altes Schloss
Altes Schloss Tettnang

Das Alte Schloss ließ Graf Johann V.  (1627-1686) von Montfort nach der Zerstörung der mittelalterlichen Burg 1667 errichten. Nach der Erbauung des Neuen Schlosses diente das Gebäude dem Oberförster als Wohnung. Außerdem wurde es als Speicherraum genutzt. 1904 wurde das Alte Schloss zum Rathaus umgebaut. 

Adresse: Montfortplatz 7, 88069 Tettnang

Das Neue Schloss

Neues Schloss Tettnang
Neues Schloss Tettnang

Mit den Planungen für das Neue Schloss begann Graf Anton III. (1670-1733) im Jahre 1712. Das Schloss wurde durch einen Brand 1753 schwer beschädigt und der Wiederaufbau dauerte mehrere Jahre. Nach der wechselvollen Geschichte Tettnangs im 19. und 20. Jahrhundert gehört das Neue Schloss heute zur Einrichtung Schlösser und Gärten Baden-Württemberg. Teile des Schlosses und das Schlossmuseum könnt ihr besichtigen. 

Adresse: Montfortplatz 1, 88069 Tettnang 

Über die Geschichte und die Ausstattung des Neuen Schlosses könnt ihr in meinem Artikel lesen.

Das Torschloss

Torschloss
Torschloss

Das Torschloss ist ein Gebäudekomplex, der aus Torturm, Wohnschloss und Schlosskapelle besteht. Die ältesten Teile wurden gemeinsam mit der Stadtbefestigung errichtet und im letzten Drittel des 16. Jahrhunderts wurde die Schlosskapelle erbaut. Später folgten weitere Anbauten. Im späten 18. Jahrhundert wurde das Torschloss zur Schule umgebaut und heute könnt ihr hier das Stadtmuseum, das Elektronikmuseum und das Stadtarchiv finden.

Adresse: Montfortstraße 39-41

Kapelle St. Georg

St. Georg
St. Georg

Die Kapelle St. Georg liegt am Jakobsweg und hat eine eigene Pilgerherberge, in der bis zu vier Personen gleichzeitig übernachten können. Die Kapelle wurde 1682 erbaut, nachdem der Vorgängerbau im 30-jährigen Krieg zerstört worden war.

Adresse: Montfortplatz 3, 88069 Tettnang

Altes Schulhaus

Tettnang: Altes Schulhaus
Altes Schulhaus

Das alte Schulhaus wurde direkt an der Stadtmauer errichtet, was heute allerdings nicht mehr wirklich zu sehen ist. Ab 1570 befanden sich hier die Volksschule und die Lehrerwohnung. Nach Einführung der allgemeinen Schulpflicht im späten 18. Jahrhundert wurde das Schulhaus zu klein und die Schule zog ins Torschloss um.

Adresse: Schulstraße 10

Bärenplatz

Tettnang: Bärenplatz
Bärenplatz

Am Bärenplatz trafen vier Straßen aus Friedrichshafen, Lindau, Wangen und Ravensburg zusammen. In früheren Zeiten machten die Reisenden häufig Rast am Bärenplatz, übernachteten in einem der zahlreichen Gasthäuser oder wechselten hier die Pferde. Zu den ältesten Gasthäusern, die es heute noch in Tettnang gibt, gehören das Hotel Rad und das Hotel Bären

Historische Gasthäuser

Hotel Rad

Hotel Rad

Das Hotel Rad liegt an der Straße Richtung Lindau und war schon im späten 16. Jahrhundert als Herberge zum Goldenen Rad bekannt. Zwischen 1680 und 1858 befand sich im Gebäude die Thurn- und Taxische Posthalterei. In den 1970er-Jahren brannte das Haus ab und wurde originalgetreu wieder aufgebaut.

Adresse: Lindauerstraße 2, 88069 Tettnang

Hotel Bären

Hotel Bären
Hotel Rad

Das Hotel Bären befindet sich an der Straße Richtung Weingarten und wurde bereits im 16. Jahrhundert als Schwarzer Bären erwähnt. Das heutige Gebäude stammt aus dem 17. Jahrhundert.

Adresse: Bärenplatz 1, 88069 Tettnang 

Brauerei Gasthof Krone

Brauerei Gasthof Krone
Brauerei Gasthof Krone

Das Haus, in dem sich der Gasthof befindet, wurde von Graf Anton IV., dem letzten Grafen von Montfort als Wohnhaus erbaut. Er starb hier 1787.  Seit Mitte des 19. Jahrhunderts befindet sich in dem Gebäude die Brauerei Gasthof Krone. Neben dem Gasthaus befindet sich hier auch die Kronenbrauerei, die letzte verbliebene Brauerei in Tettnang.

Adresse: Bärenplatz 7, 88069 Tettnang

Restaurant Brünnle

Restaurant Brünnle
Restaurant Brünnle

Das heutige Restaurant Brünnle ist eines der wenigen Gebäude in Tettnang, die den Brand von 1633 überstanden haben. Das ursprünglich als Wohnhaus erbaute Gebäude stammt aus dem 16. Jahrhundert. Seit 1872 ist das Haus eine Gaststätte, die bis 2003 Wacht am Rhein hieß.

Adresse: Montfortstraße 34, 88069 Tettnang

Leider haben wir es bei uns Besuch nicht geschafft, alles anzuschauen, was wir sehen wollten. Für den nächsten Besuch in Tettnang bleiben also (mindestens) noch drei weitere Sehenswürdigkeiten, die ich beim nächsten Mal unbedingt anschauen möchte:
Die Stadtpfarrkirche St. Gallus, die Kapelle St. Anna und das Hopfenmuseum

Zeittafel Tettnang

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