Spaziergang durch das mittelalterliche Überlingen

Die Stadt Überlingen am nordwestlichen Arm des Bodensees hat mir schon bei meinem ersten Besuch vor vielen Jahren sehr gefallen. Trotz der auch hier im Sommer zahlreichen Touristen strahlt die Stadt mit ihren mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Bauwerken und Gassen Gemütlichkeit und Ruhe aus. Die Geschichte der ehemaligen Freien Reichstadt geht zurück bis ins frühe Mittelalter und es gibt hier viele geschichtsträchtige und spannende Orte zu entdecken. Meine Highlights in Überlingen stelle ich in diesem Artikel vor.

Münster St. Nikolaus

Der Turm des Münsters St. Nikolaus prägt das Bild der Altstadt und ist fast überall gut zu sehen. Die Baugeschichte des Münsters erstreckte sich über einen Zeitraum von 200 Jahren. 1562 wurde der größte spätgotische Sakralbau am Bodensee endlich fertiggestellt. Die Innenausstattung des Münsters ist sehr sehenswert. Im Inneren der Kirche findet man Elemente aus der Gotik und dem Barock. Außerdem gibt es wichtige Arbeiten aus der Zeit nach 1600 zu sehen, wie beispielsweise den 1616 vollendeten Hochaltar.

Südwestlich des Münsters steht der Ölberg, ein halboffenes Bauwerk, das im letzten Drittel des 15. Jahrhunderts gestiftet wurde. Das spätgotische Kunstwerk zeigt den betenden Jesus am Ölberg. Die ihn ursprünglich umgebenden Apostel sind nicht mehr erhalten.

Öffnungszeiten: Das Münster ist außerhalb der Gottesdienstzeiten täglich von 8.00 bis 18.00 geöffnet.

Stadtmuseum

Das Städtische Museum Überlingen ist im spätgotischen Reichlin-von-Meldegg-Patrizierhaus auf dem Luzienberg untergebracht. Das Haus gilt als der älteste Renaissance-Privatpalast nördlich der Alpen. Die Sammlung des Museums umfasst kunst- und kulturgeschichtliche Stücke von der Steinzeit bis ins 19. Jahrhundert. Die meisten von ihnen stammen aus Überlingen und der Bodenseeregion.

Neben der Dauerausstellung gibt es im Museum immer wieder sehr sehenswerte Sonderausstellungen. Vor einigen Jahren hatte das Museum eine tolle Ausstellung über Mystik am Bodensee und letztes Jahr habe ich dort die Ausstellung Monster und Geister vom Mittelalter bis heute gesehen. Derzeit ist die Sonderausstellung Verführung. 100 Jahre Kino in Überlingen zu sehen. Entgehen lassen sollte man sich auf keinen Fall den Garten des Museums. Von hier hat man einen tollen Blick auf die Altstadt und den Bodensee.

Öffnungszeiten: Di- Sa von 9.00 bis 12.30 und von 14.00 bis 17.00; von April bis Oktober auch Sonn- und Feiertags von 10.00 bis 15.00. Der Eintritt kostet für Erwachsene 5 EUR, Ermäßigungen gibt es für Rentner, Schüler, Studenten und Sozialpassinhaber.
Adresse: Krummebergstrasse 30, Überlingen.

Rathaus und Stadtarchiv

Südöstlich des Münsters steht das spätmittelalterliche Rathaus, dessen ältester Teil aus dem 14. Jahrhundert stammt. Sehenswert ist der spätgotische Ratsaal, der allerdings nur im Rahmen von Führungen besichtigt werden kann. Der holzvertäfelte Saal ist mit Figuren aus Lindenholz geschmückt, die vom Ravensburger Bildhauer Jacob Ruß im späten 15. Jahrhundert geschaffen wurden.

In unmittelbarer Nachbarschaft des Rathauses steht die Stadtkanzlei, in der heute das Stadtarchiv untergebracht ist. Das um 1600 errichtete Gebäude beherbergte bis 1803 die reichstädtische Kanzlei und gehört zu den schönsten Renaissancegebäuden im Bodenseeraum.

Öffnungszeiten: Der Ratssaal im Rathaus kann Mi und Do um 11.00 besichtigt werden. Außerdem im Rahmen einer Stadtführung. Das Innere des Stadtarchivs ist nicht frei zugänglich.

Stadtbefestigung

Die Geschichte der Überlinger Stadtbefestigung lässt sich bis ins 13. Jahrhundert zurückverfolgen. Ab dem 14. Jahrhundert wurde die Befestigung erweitert, später zur Stadtfestung ausgebaut und während des 30-jährigen Kriegs verstärkt. Von den Türmen und Toren sind heute noch Aufkirchertor, Badturm, Franziskanertor, Gallertrum, Quellturm, Rosenobel, Wagsauterturm und St. Johannturm erhalten. Zur Stadtverteidigung gehörte auch das Zeughaus, in dem Waffen und Ausrüstung aufbewahrt wurden. Das Gebäude, das direkt an der Uferpromenade liegt, stammt aus dem 17. Jahrhundert, hat aber noch einen spätgotischen Kern. Im Gebäude befindet sich heute ein Restaurant.

Franziskanerkirche „Zur unbefleckten Empfängnis“

Der Franziskanerorden war seit Mitte des 13. Jahrhunderts in Überlingen ansässig. Das Gelände zum Bau des Kloster und der Kirche wurden im frühen 14. Jahrhundert gestiftet und bis zu seiner Aufhebung 1808 war das Franziskanerkloster das größte Kloster in Überlingen. Heute ist in den ehemaligen Konventsgebäuden das städtische Alten- und Pflegeheim untergebracht.

Die ursprünglich gotische Franziskanerkirche wurde Mitte des 18. Jahrhunderts im Stil des Barock umgebaut. Von der früheren gotischen Austattung ist wenig bekannt. Wichtige barocke Stücke sind der Hochaltar von Joseph Anton Feuchtmayer aus der Mitte des 18. Jahrhunderts sowie das Altarbild.

Im rechten Seitenschiff ist außerdem eine liebevoll gestaltete Nachbildung der Überlinger Schwedenprozessionen zu sehen. Die Schwedenprozessionen finden seit 1634 zweimal jährlich statt. Diese Tradition geht zurück auf die zweimalige Rettung der Stadt Überlingen im Dreißigjährigen Krieg. So widerstand die Stadt 1632 einem Angriff von Bernhard von Sachsen-Weimar und überstand 1634 einer vierwöchigen Belagerung durch schwedische Truppen. Die Rettung der Stadt schrieb man damals Maria zu und zum Dank wurden die Schwedenprozessionen eingeführt.

Öffnungszeiten: täglich 10.00 bis 17.00.
Adresse: Franziskanerstr., Überlingen.

Landungsplatz

Am Landungsplatz steht seit 1999 eines meiner Highlights in Überlingen: der Brunnen „Bodenseereiter“ des Bildhauers Peter Lenk. Der Brunnen nimmt Bezug auf die Ballade Der Reiter und der Bodensee des Dichters Gustav Schwab. Am Landungsplatz steht auch das spätmittelalterliche Lagerhaus Greth. Das im späten 18. Jahrhundert umgebaute Gebäude ist das ehemalige Kornhaus der Freien Reichstadt Überlingen. Heute befinden sich in dem Gebäude eine Markthalle, Restaurants und ein Kino. Direkt neben dem ehemaligen Lagerhaus befindet sich die Städtische Galerie Fauler Pelz in einem ehemaligen Ballsaal aus dem 19. Jahrhundert. Die Galerie zeigt wechselnde Kunstausstellungen vom Mittelalter bis in die Gegenwart. Noch bis zum 06.10.2019 ist die Ausstellung Salvdor Dalí. Leben und Werk zu sehen.

Öffnungszeiten und Preise der Städtischen Galerie: Bis 06.10.2019, Di bis Fr, 14.00 bis 17.00, am Wochenende und an Feiertagen: 11.00 bis 17.00. Eintrittspreis 6,50 EUR. Ermäßigungen für Schüler, Studenten, Azubis und mit Gästekarte.
Adresse: Seepromenade 2, Eingang in der Löwengasse, Überlingen.

Kapelle St. Sylvester

Das letzte meiner Highlights in Überlingen, das ich vorstellen möchte, ist die Kapelle St. Sylvester im Stadtteil Goldbach. In der Kapelle, die direkt am Seeufer steht, gibt es die ältesten bekannten frühmittelalterlichen Wandmalereien am Bodensee. Diese sind vermutlich schon in der ersten Hälfte des 9. Jahrhunderts entstanden und leider nur noch in Fragmenten erhalten. Mitte des 10. Jahrhunderts schufen dann Künstler von der Klosterinsel Reichenau einen weiteren Bilderzyklus, der Wundertaten Christi zeigt. Weiterhin finden sich in der Kapelle auch Wandmalereien aus dem 14., 15. und 17. Jahrhundert.

Öffnungszeiten: April bis Oktober, Mo, Mi und Sa, 11.00 Uhr bis 17.00 Uhr.

Zeittafel Überlingen

  • Um 770: Nachweis eines (königlichen) Fronhofs der Karolinger auf dem Gebiet des heutigen Überlingens.
  • 10. Jahrhundert: Nachweis einer Siedlung am Seeufer
  • Um 1180: Kaiser Friedrich Barbarossa verleiht Überlingen das Marktrecht
  • 1211: Überlingen erlangt Stadtrecht
  • Ende des 14. Jahrhunderts: Überlingen wird freie Reichstadt
  • 1632: Bernhard von Sachsen-Weimar führt einen erfolglosen Angriff gegen die Stadt
  • 1634: Schwedische Truppen unter Feldmarschall Gustav Horn belagern die Stadt ohne Erfolg 4 Wochen lang
  • 1643: Überlingen wird erobert und zunächst französisch, dann bayerisch und schwedisch besetzt.
  • 1803: Durch den Reichsdeputationshauptschluss verliert Überlingen den Status als Freie Reichstadt und wird Teil des Großherzogtums Baden
  • 19. Jahrhundert: Überlingen wird zum Kur- und Badeort

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2 thoughts on “Spaziergang durch das mittelalterliche Überlingen

  1. Bertram Baur

    Liebe Daniela Frey, glücklicherweise hast du mich auf Instagram auf Deinen sehrgut recherchierten Geschichtsblog aufmerksam gemacht. Für mich, als historischem
    Laien sind die Artikel ein wertvoller Erkenntnisschatz. Ich freue mich, mehr von Dir lesen zu dürfen
    LG
    Bodenseejumbo

    • Daniela Frey

      Lieber Bertram Baur, vielen Dank für das schöne Kompliment. LG Daniela

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