Rebecca Gablé: Von Ratlosen und Löwenherzen

Von Ratlosen und Löwenherzen. Eine kurzweilige, aber nützliche Geschichte des englischen Mittelalters von Rebecca Gablé ist bereits 2008 erschienen. Da das aber bei einem Buch über das Mittelalter nicht weiter dramatisch ist und es mir gut gefallen hat, möchte ich es gerne vorstellen. Der Titel bezieht sich übrigens auf die beiden Könige Æthelred „the Unready“ und Richard I. „Löwenherz“.

Um was geht es?

Das Buch beleuchtet die Geschichte des englischen Mittelalters zwischen 450 und 1485. Also vom Beginn der Besiedelung Englands durch die Sachsen bis zum Ende der Rosenkriege. Rebecca Gablé hat ihr Werk in sechs Kapitel gegliedert.

450-1066: Die Angelsachsen

Nach einer kurzen Einführung berichtet die Autorin im zweiten Kapitel  von den Ereignissen, die sich in England bis 1066 abspielten: Die Besiedelung Englands durch die Angeln und Sachsen und deren Christianisierung. Auch Dänen und Norweger hatten ein Auge auf England geworfen und besetzten zeitweise Teile des Landes. 1066 eroberte schließlich William, der Herzog der Normandie, England und aus William „dem Bastard“ wurde über Nacht William „der Eroberer“. Einige Monate nach der entscheidenden Schlacht von Hastings bestieg er den englischen Thron.  Die Eroberung Englands durch die Normannen kann man heute noch auf dem unglaublich schönen, 68 m langen Teppich von Bayeux betrachten.

 1066-1154: Die Normannen

In der Kathedrale von Bayeux wurde der Teppich lange aufbewahrt. Heute befindet er sich im Musée de la Tapisserie in Bayeux.

„Kaum war der König am einen Ufer [des Ärmelkanals], gab’s am anderen Scherereien. Manche der Herrscher, die William nachfolgten, sind an dieser Tücke des Schicksals verzweifelt. Nicht so William, denn er mochte Scherereien.“ (S. 41)

Kapitel 3  handelt davon wie William „der Eroberer“ seine Macht in England festigte, von seinen Versuchen Wales zu erobern und in Frankreich zu expandieren. Nach seinem Tod stritten seine Söhne um das Erbe, bis schließlich Williams jüngster Sohn Henry I. den englischen Thron bestieg. In Ermangelung männlicher Nachkommen bestimmte er vor seinem Ableben seine Tochter Mathilda zur Thronerbin. Das ging natürlich nicht gut und löste einen Bürgerkrieg aus. Am Ende des Kapitels befinden wir uns im Jahre 1154 und Henry „FitzEmpress“ Plantagenet, der Sohn von Mathilda, wird als Henry II. englischer König.

1154-1399: Die Plantagenet

„Mit Richard Löwenherz‘ Tod endete eine Ära, der man einen gewissen Glanz nicht absprechen kann. Oder sagen wir lieber, einen gewissen herben Charme.“ (S. 98)

Kapitel 4 beleuchtet die Herrschaft von Henry II., seine Frau Eleanor von Aquitanien sowie seine Dispute mit Thomas Becket und dem Papst. Nach Henrys Tod wurde zunächst sein Sohn Richard I. „Löwenherz“ König, dann dessen jüngerer Bruder John „Ohneland“. Die beiden kennt man ja als der gute König Richard und der böse Prinz John aus der Robin Hood Geschichte. Der Enkel vom bösen John, Edward I., schließlich eroberte  Wales und wandelte es in ein Fürstentum um und seit dieser Zeit heißt der englische Kronprinz „Prince of Wales“. Edward führte außerdem Krieg gegen die Schotten und ließ den berühmten William „Braveheart“ Wallace hinrichten. Auf Edward I. folgten Edward II. und III. Letzterer löste 1337 den Hundertjährigen Krieg aus. Als letzter König des Hauses Plantagenet bestieg Richard II. den Thron.

1399-1461: Die Lancaster

Kapitel 5  beschäftigt sich ausschließlich mit Henrys: Henry IV., V. und VI. aus dem Hause Lancaster. Henry IV. wurden später von William Shakespeare zwei Dramen gewidmet, wohingegen Richard II. und Henry V. jeweils nur eines bekamen. Dafür eroberte Henry V. das ganze nördliche Frankreich.

„… denn auch wenn sie [die Dukes of York und Somerset] einander verabscheuten, waren sie sich in einem Punkt einig: Wenn man die Wahl zwischen einer regierenden Königin [Maguerite d’Anjou] und einem Bürgerkrieg hatte, war der Bürgerkrieg allemal vorzuziehen.“ (S. 211)

1422 wurde der erst acht Monate alte Sohn von Henry V. König. In seine Regierungszeit fällt die Hinrichtung von Jeanne d’Arc und das Ende des Hundertjährigen Kriegs. Henry VI. litt zeitweise unter großen psychischen Problemen und überließ seiner Frau, Maguerite d’Anjou, die Regierung. Während der Rosenkriege, zwischen den beiden rivalisierenden Häusern York und Lancaster, spielte Maguerite auf lancasterianischer Seite eine wichtige Rolle.

1461-1485: Die York

Den Abschluss des Buches bildet Kapitel 6 in welchem Gablé vom Verlauf und Ende der Rosenkriege berichtet.

„Im Oktober 1470 wurde der verdatterte Lancaster-König Henry [VI.] aus der Mottenkiste im Tower geholt, wo er die letzten Jahre verwahrt worden war, und in Westminster wieder auf den Thron gesetzt (…).“ S. 221

1461 wurde Edward of March aus dem Hause York als Edward IV. zum englischen König gekrönt. Dies blieb er auch- abgesehen von einem kurzen Intermezzo als man seinen Vorgänger zurückholte- bis er 1483 starb. Nach Edwards Tod sollte eigentlich sein als Sohn Edward V. König werden. Stattdessen aber hieß der nächste König: Richard of Gloucester. Edward V. und sein jüngerer Bruder verschwanden nämlich im Tower of London und waren nie wieder gesehen. Höchstwahrscheinlich wurden die Prinzen ermordet. Höchstwahrscheinlich war der Mörder ihr Onkel Richard of Gloucester. Vollständig geklärt ist diese Geschichte bis heute nicht. Richard of Gloucester blieb nicht lange König. Er starb 1485 in der Schlacht von Bosworth. Noch auf dem Schlachtfeld wurde Henry Tudor als Henry VII. zum englischen König gekrönt. Mit dem Beginn der Herrschaft des Hauses Tudor endet das Buch.

Wie ich es fand

Statue von Lady Godiva in Coventry
Statue von Lady Godiva in Coventry.
Bild: ©arenaphotouk/Fotolia

Wie der Untertitel schon verrät: Eine kurzweilige, aber nützliche Geschichte des englischen Mittelalters. Sehr viele Henrys und Edwards (und einige wenige mit anderen Namen) regierten, intrigierten, lebten, liebten und starben im mittelalterlichen England. Wer also immer schon wissen wollte, wer hier wem und warum den Kopf eingeschlagen hat, wer sich mit wem gegen wen verbündet hat und wer wen aus welchen Gründen geheiratet hat (oder auch nicht), kann dies hier höchst vergnüglich geschrieben nachlesen.

Auch wenn es in Ratlosen und Löwenherzen hauptsächlich um die politischen Ereignisse geht, beleuchtet Rebecca Gablé auch die sozialen, wirtschaftlichen, religiösen und kulturellen Aspekte der Zeit. Auch einige Mythen und Sagen werden erwähnt (König Artus, Lady Godiva, Robin Hood). Die Geschichte Schottlands, Wales und Frankreichs wird angerissen, sofern sie für englische Geschichte bedeutsam war.


Über die Autorin

Die deutsche Schriftstellerin Rebecca Gablé schreibt überwiegend historische Romane (z. B. Das Lächeln der Fortuna, Die fremde Königin), die im englischen Mittelalter spielen. Von Ratlosen und Löwenherzen ist bisher ihr einziges Sachbuch.

Info: Gablé, Rebecca, Von Ratlosen und Löwenherzen. Eine kurzweilige, aber nützliche Geschichte des englischen Mittelalters, Köln: Bastei Lübbe 2008. € 10,00

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