[Rezensionsexemplar] Bei meinen Stadtführungen über Frauen  in Konstanz ist das Leben und das Werk der Malerin Marie Ellenrieder (1791-1863) immer ein wichtiges Thema. Ende 2020 habe ich mich auch im Rahmen einer Blogparade näher mit der Künstlerin beschäftigt. Deshalb habe ich mich sehr gefreut, dass mir der Südverlag ein kostenloses Rezensionsexemplar der Romanbiografie Marie Ellenrieder und die Farben der Liebe von Gabriele Katz zur Verfügung gestellt hat. Im Artikel erfahrt ihr, wie mir das Buch gefallen hat.

Am liebsten jedoch wanderte Marie immer noch zum Seeufer, studierte die Farbe des Wassers bei jedem Wetter und zu jeder Tageszeit. Die unendlich vielen Abstufungen von Blau: Ultramarin, Kobalt, Berliner Blau, Azurit, Indigo, Cyan, Violett, Himmelblau, Taubenblau, Nachtblau, Eisblau. Jede Aufregung und jeder Ärger wich von ihr, wenn sie sich den unendlichen Abstufungen des Blaus hingab.  S. 39

Die Romanbiografie von Gabriele Katz spielt in der ersten Lebenshälfte der Malerin Marie Ellenrieder. Sie handelt von Ellenrieders Jugendzeit als gutbehütete Bürgerstochter in Konstanz, ihrer künstlerischen Ausbildung und den Anfängen ihres Erfolgs.

Die Malerin Marie Ellenrieder

Marie Ellenrieder wurde 1791 als jüngste Tochter einer Konstanzer Bürgerfamilie geboren. Bereits früh zeigte sich ihr künstlerisches Talent, das sie zunächst jedoch nicht ausleben konnte, da ihr als Frau im frühen 19. Jahrhundert wenig Möglichkeiten offenstanden, ihrer Berufung nachzugehen. So begann sie zunächst eine Lehre bei einem Miniaturenmaler, bevor sie dann  dank der Förderung durch ihren Mentor Ignaz Heinrich von Wessenberg – schließlich ab 1813 als erste Frau an der Königlichen Akademie der Bildenden Künste in München studieren konnte. Nach ihrem Studium arbeitete sie als freie Künstlerin in ihrer Heimatstadt und fertigte 1820 als erste Frau in Baden drei Altarbilder für eine katholische Kirche an. 1822 konnte sich Marie Ellenrieder ihren großen Traum erfüllen: Sie reiste nach Rom, wo sie zwei Jahre lebte und arbeitete. Zurück in Konstanz erhielt sie weitere Aufträge, die sie u. a. nach Zürich, Basel und Karlsruhe führten. Einige Jahre später erhielt Marie Ellenrieder die Medaille für Kunst und Wissenschaft des Badischen Kunstvereins und wurde 1829 zur Badischen Hofmalerin ernannt. Sie konnte gut von ihrer Kunst leben und unternahm im Laufe ihres Lebens weitere Reisen. Lebenslang unverheiratet lebte sie gemeinsam mit ihrer Schwester Josefine genannt Pepi im elterlichen Haus. In ihren letzten Jahren hatte die Malerin immer häufiger gesundheitliche Probleme, die sie aber nicht von ihrer Arbeit abhielten. Marie Ellenrieder starb 1863 im Alter von 72 Jahren vermutlich an den Folgen einer Lungenentzündung. 

Romanbiografie Marie Ellenrieder und die Farben der Liebe

Schließlich brachte Marie das Gold auf der Borte des Kleides, den Abschlüssen der Ärmel, dem Falz der Buchseiten und seiner Schließe an. Auch die Wand um den Kopf der Lesenden hellte Marie mit leichten Goldeinreibungen auf: Das Mädchen hatte Anteil an den göttlichen Offenbarungen der Bibel, und diese Erkenntnis veränderte sie. […] Ein paar Tage später siebte sie den Firnis durch ein Stück Seide, um ihn noch geschmeidiger zu machen. Dann trug sie ihn auf. „Das bibellesende Mädchen“ war vollendet. S. 237
Bild des Gemäldes

Gabriele Katz erzählt in ihrem Buch über die ersten 35 Jahre im Leben der Künstlerin. Das Buch gliedert sie dabei in drei Teile: Der erste Teil (Die Farbe Blau) handelt von Ellenrieders ersten Versuchen als Malerin, ihrer Lehrzeit als Miniaturenmalerin und ihrer Studienzeit in München. In Die Farbe Rot berichtet die Autorin von Ellenrieders ersten Jahren als Künstlerin in Konstanz und von den ersten größeren Aufträgen. Im dritten Teil (Die Farbe Gold) begleiten wir die Malerin nach Rom, wo sie zusammen mit ihrer Freundin Katharina von Predl lebte und arbeitete.  In Rom machte Ellenrieder auch die Bekanntschaft mit der als Nazarener bekannten Künstlergruppe um den Maler Friedrich Overbeck, die ihren Stil prägte. Das Buch endet schließlich mit Ellenrieders Rückkehr nach Konstanz im Jahre 1825.

Wie ich das Buch fand

„Ein Frau als Künstlerin. Hast Du denn alles vergessen, Marie? […] Wo willst Du malen? In Konstanz? Da gibt es Maler genug! Und was willst Du malen? Porträts, Landschaften, Heilige? Wer soll das unter die Leute bringen? Oder willst Du durch die Gegend reisen und dich anbieten? Das ist unmöglich ohne den Schutz eines Mannes. Niemand würde  dich achten, und du wärest in kürzester Zeit deiner Tugend, deiner Unschuld beraubt und verloren. […] Diese Zeiten sind nichts für Frauen, Marie. Wir können froh sein, wenn wir ein Haus haben, das uns Sicherheit gibt, und einen Mann, eine Familie. Wie oft muss ich dir das noch sagen.“

Anna Maria Ellenrieder 1810 in einem Gespräch mit ihrer jüngsten Tochter, S. 28f

Insgesamt hat mir das Buch gut gefallen. Gabriele Katz hat Marie Ellenrieder im zeitlichen Kontext dargestellt und dabei immer wieder regionale und überregionale historische Ereignisse in die Handlung eingeflochten. Toll fand ich auch, dass die Autorin an vielen Stellen Originalzitate Ellenrieders aus Briefen oder ihren Tagebucheinträgen verwendet. Es gelingt ihr so ein authentisches Bild der Künstlerin zu zeichnen und dabei auch Ellenrieders Selbstzweifel herauszuarbeiten. Auch die Schwierigkeiten, die sie als Frau in der damaligen Zeit sowohl beruflich als auch privat hatte und die Unterstützung, die sie vor allem durch ihren Vater, ihre Schwester Pepi und ihren Mentor Ignaz Heinrich von Wessenberg erhält, werden sehr gut herausgearbeitet. Schön fand ich auch, dass Gabriele Katz ihrem Buch eine Zeittafel angefügt hat, die sowohl wichtige Daten im Leben von Marie Ellenrieder als auch wichtige historische Ereignisse aufführt. Ein Glossar und eine Literaturauswahl komplettieren den Anhang. Gewünscht hätte ich mir noch, dass nicht nur die erste Lebenshälfte der Malerin auch wenn vielleicht insgesamt spannender und prägender Eingang in das Buch gefunden hätte, sondern auch die Jahre von 1825 bis zu ihrem Tod. 

In Konstanz ist ein Gymnasium nach Marie Ellenrieder benannt.

Über die Autorin

Gabriele Katz hat Kunstgeschichte, Geschichte und Germanistik studiert. Nach ihrer Promotion hat sie in Museen gearbeitet und ist nun seit über 10 Jahren als Autorin tätig. Sie hat bereits mehrere Bücher über ungewöhnliche Frauen geschrieben (z. B. über Margarete Steiff und über  Stuttgarts starke Frauen). Gabriele Katz lebt und arbeitet in der Nähe von Stuttgart.

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