Das Kloster Hirsau und seine Geschichte

Vor einigen Wochen haben wir einen Ausflug zum Benediktinerkloster St. Peter und Paul in Hirsau gemacht. Hirsau liegt ca. 40 km östlich von Stuttgart am Rande des Nordschwarzwalds und gehört zur Stadt Calw. Das Kloster ist heute zwar in großen Teilen eine Ruine, trotzdem lässt sich aber noch gut nachvollziehen, wie das Kloster angelegt war und ein Spaziergang durch die Anlage ist absolut empfehlenswert. Da auch die Geschichte des Klosters Hirsau spannend und sehr wechselvoll ist, möchte ich sie in diesem Artikel etwas näher vorstellen.

Klostergründung und erste Blütezeit

Bereits im frühen Mittelalter wurde in Hirsau ein Kloster gegründet, das die Reliquien des Heiligen Aurelius beherbergte. Im Laufe der Zeit verfiel das Aureliuskloster jedoch und wurde erst in der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts wiederaufgebaut. Unter Abt Wilhelm (um 1030-1091) begann ab 1069 die erste Blütezeit des Klosters Hirsau. Abt Wilhelm leitete mit den Constitutiones Hirsaugienses die „Hirsauer Reform“ ein. Er übernahm darin für sein Kloster die Lebensform des Klosters Cluny und in weiten Teilen deren Consuetudines Cluniacenses. Vom Kloster Cluny in Burgund war die sogenannte „Cluniazensische Reform“ ausgegangen, die neben der Unabhängigkeit von weltlicher Herrschaft und der völligen Abkehr von allem Weltlichen auch ein Leben in Armut ohne Privateigentum anstrebte. Andere Klöster übernahmen Abt Wilhelms Reform und neue Klöster wurden nach Hirsauer Vorbild gegründet.

Das Kloster Hirsau war im letzten Drittel des 11. Jahrhunderts sehr beliebt und viele Leute unterschiedlicher Stände traten in den Konvent ein. So wurde das Aureliuskloster bald zu klein und man begann das neue Kloster St. Peter und Paul zu bauen. Kurz vor seinem Tod weihte Abt Wilhelm 1091 die Klosterkirche ein und in den folgenden Jahrzehnten wurde die Anlage weiter ausgebaut.

Verschuldung und Verfall ab dem 12. Jahrhundert

Die Popularität des Klosters war jedoch nicht von langer Dauer. Bereits im 12. Jahrhundert stagnierte die Reformbewegung und das Kloster verlor zunehmend an Bedeutung. Während des gesamten 13. Jahrhunderts kam es zu Veräußerungen von Hirsauer Grundbesitz. Der Konvent schrumpfte und weltliche Gewohnheiten machten sich unter den Mönchen breit. Die Schenkungen an das Kloster nahmen ab und im 14. Jahrhundert war es hoch verschuldet.

Die zweite Blütezeit in der Geschichte des Klosters Hirsau

Seit Anfang des 15. Jahrhunderts kam es unter den Äbten Friedrich und Wolfram Meiser zu Reformbemühungen, um die innere Krise des Klosters zu bewältigen und die desolate wirtschaftliche Lage zu verbessern. Um 1458 schloss sich das Kloster der Bursfelder Union an. Sie war eine Vereinigung von Benediktinerklöstern und ging vom Kloster Bursfeld in Niedersachsen aus. Ziel der Bursfelder Union war es die Ordensregel wieder in ihrer alten Reinheit und Strenge durchzusetzen.

Unter Abt Bernhard von Gernsbach erlebte das Kloster Hirsau in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts schließlich eine geistige Erneuerung des Klosterlebens. Auch die wirtschaftlichen Verhältnisse verbesserten sich und neue Bauwerke entstanden in der Anlage. So ließ Abt Blasius die gesamte Klosteranlage Ende des 15. Jahrhunderts im spätgotischen Stil umbauen. Außerdem erweiterten die Mönche die Bibliothek und richteten eine eigene Buchbinderwerkstatt für die im Kloster gefertigten Handschriften ein. Anfang des 16. Jahrhunderts wurde schließlich die Marienkapelle erbaut. Sie ist heute eines der wenigen unversehrten Gebäude und nun die Pfarrkirche der evangelischen Kirchengemeinde.

Reformation und Säkularisierung

Aber auch die die zweite Hochzeit in der Geschichte des Klosters Hirsau dauerte nicht lange an, da Herzog Ulrich Württemberg 1534 reformierte und 1535 die meisten württembergischen Klöster auflösen ließ. Durch das Augsburger Interim wurde das Kloster ab 1548 für kurze Zeit rekatholisiert. Doch bereits 1555 beendete der Augsburger Religionsfriede, der festlegte, dass der Landesfürst den Glauben seiner Untertanen bestimmen konnte, das katholische Klosterleben unwiderruflich. Auf Befehl des Herzogs von Württemberg wurde in Hirsau stattdessen eine evangelische Klosterschule eingerichtet, die ihre Schüler auf ein evangelisches Theologiestudium vorbereiten sollte.

Auch die württembergischen Herzöge nutzten die Klosteranlage: Zwischen 1589 und 1593 ließ sich Herzog Ludwig dort ein Jagdschloss erbauen, das er und seine Familie für Jagdausflüge, Kur- und Badeaufenthalte nutzten. Die Schlossruine ist heute noch zu sehen.

Brand im Pfälzischen Erbfolgekrieg

Bis 1692 existierte die evangelische Klosterschule in Hirsau. Dann steckten französische Truppen im Pfälzischen Erbfolgekrieg die Klostergebäude und das herzogliche Jagdschloss in Brand. Lediglich die Marienkapelle und der Eulenturm blieben unversehrt. Die Schule wurde danach nicht wiederaufgebaut und einige Zeit nutzte man sogar Steine der Schlossruine und der Überreste des Klosters als Baumaterial. Erst ab der Mitte des 19. Jahrhunderts begann man die Ruinen zu sichern und archäologische Grabungen durchzuführen.

Info

Das Kloster ist frei zugänglich. Von Mai bis Oktober gibt es jeden Samstag um 14.30 Uhr und an Sonn- und Feiertagen um 11 Uhr öffentliche Führungen durch das Kloster.
1991 wurde in Hirsau außerdem ein Klostermuseum eingerichtet. Es zeigt die Geschichte der Hirsauer Klöster und Fund – und Ausgrabungsstücke aus der Klosteranlage.
Auf der Website der Stadt Calw gibt es die Öffnungszeiten und Preise.

Zum Weiterlesen

Dorothee Brenner: Kloster Hirsau, Berlin, München 2010.
Denis Drumm: Das Hirsauer Geschichtsbild im 12. Jahrhundert, Ostfildern 2016.
Klaus Schreiner: Hirsau I. Lebens- und Verfassungsformen eines Schwarzwaldklosters, Calw 2005.

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